Geschichte

Personal Korporation im Verlaufe der Zeit

(Franz Meyer, Alt-Korporationspräsident)

 

 

Damals

Vorweg: Der Begriff Korporation bedeutet so viel wie Körperschaft, also eine Bürgergemeinschaft mit Grund und Boden, Rechten und Pflichten. 

Es ist nicht einfach ein historisches Datum der Anfänge der Korpoarion Grosswangen zu finden, dazu fehlen dokumentarische Grundlagen. Aber die Zeit der Entstehung ist zweifelsohne im Mittelalter zu suchen. Jahrhunderte hatte aber Wangen (später Grosswangen), aus dem Twing und den vierzehn äusseren Höfen bestanden. Die Bezeichnung Korporation existierte noch nicht. Bauern, Halbbauern, Tauner, Bedürftige waren jene im Steuerbrief registrierten Genossen. Die Grenzlinie des Twings ist nachweisbar in Richtung Wellberg - Aspet - Gutmoos - Willberg - Klausenmatt - Wannweid - Längacher - Leidenberg verlaufen. Alles westlich dieses Grenzzuges gelegene Gebiet gehörte zu den vierzehn äusseren Höfen (Wüschiswil, Stettenbach, Dambach, Schwanden, Neuhus, Roth, Eiholz, Sigerswil, Hinterberg). Diese umgrenzten Gebiete bildeten später die politische und die kirchliche Gemeinde Grosswangen. Das Land und der Wald im Twing, die Urzelle der Gemeinde, war zum Teil Besitztum einzelner Bauern mit reglementarisch festgelegten Steuerpflichten an die aristokratische Obrigkeit. Die damaligen Auftriebsrechte der nutzungsberechtigten Bauern auf das 780 Jucharten = 
281 ha umfassende Allmendland (Allgemeingut) war für sie lebenswichtig. 

Mit der Jahrzahl 1798, Französische Revolution, hat sich manches zum Besseren verändert. Weltweit, landesweit, kantonal und auf Gemeindeebene. Bedeutende politische Anpassungen fanden Gewicht. Aufgaben welchen bis anhin die Korporation verantwortlich war, übernahm zukünftig die neu entstandene Bürgergemeinde. Jahrzehnte später die Einwohnergemeinde, unter anderem das Armen-Steuer-Polizei-Schulwesen. Es kam die Zeit der Aufteilung des Allmendlandes und der gesamten Waldfläche. Das war ein heikler, weit über zwanzig jähriger Prozess. Zweiundzwanzig Hektaren Land und gleichviel Wald wurden für die zukünftige Korporationsgemeinde ausgeschieden. Das Armenwesen der Twinggenossen oblag weiterhin der Korporation. Deshalb blieben davon dreissig Jucharten Land für ihre Bedürfnisse unverteilt. Dreissig Jucharten Wald wurden reserviert für Servitutsverpflichtungen an Kirche und geistliche Herren (Bau- und Brennholz). 

Heute

Auch für die Korporation ist die Zeit nicht stehen geblieben. Die Körperschaft ist zu klein und unvermögend geworden um den laufenden finanziellen Verpflichtungen und Wünschen nachzukommen. Nach dem zweiten Weltkireg hat sich die Gelegenheit ergeben im Bubental einen Kiesabbauvertrag mit der heutigen Firma Kigro abzuschliessen. Durch die nützliche "Kies"-Einnahmequelle wurde es möglich die Liegenschaft Schlegeli zu erwerben. Mit dem Gedanken der sozialen Aufgabe der Korporation treu zu bleiben und dadurch preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, hat man in der Ziegelmatte ein Achtfamilienhaus und beim Betagtenheim das "Lindenhus" mit vierzehn Alterswohnungen gebaut. 

Morgen

Sinn fürs Ganze im vernünftigen Mittelmass sind der Wegweiser für die Zukunft. 

 

Archiv der Korporation Grosswangen

Franz Meyer-Wüest hat eine Dokumentation aus zirka 400 Briefen, Listen, Verzeichnisse und Plänen aus dem Archiv der Korporation Grosswangen erarbeitet: 

Aufarbeitungen und Übersetzungen von Franz Meyer-Wüest, Frühling 2020

 

Eine ausführliche Dokumentation über die Geschichte der Korporation Grosswangen steht im Buch "Grosswangen" aus dem Jahr 1993, welches bei der Gemeindekanzlei Grosswangen bezogen werden kann.